Ich bin wütend auf mich, schon seit einigen Jahren. Und ich werde dir jetzt ganz offen erzählen, was das für eine Wut ist. Das ist eine sehr persönliche Geschichte, die mich sehr bewegt und mich heute in vielen Bereichen prägt. 

Vor drei Jahren zog ich mit meiner Familie von Bonn nach Potsdam, meine Kinder waren damals acht und elf Jahre alt. Mein Mann war schon seit einem Dreivierteljahr in Berlin und wir hatten das neue Schuljahr und somit die großen Ferien auserkoren, um umzuziehen. In Bonn hatten wir 15 Jahre gelebt und in den Phasen des Studiums, Referendariats, erster Berufjahre, Klein- und Schulkinderphase bis hin zum Gymnasium alle viele sehr wertvolle Freundschaften aufgebaut. Es war unser Zuhause und wir waren eng verwoben mit den Menschen und den rheinischen Traditionen.

Die letzten Monate waren für mich als faktisch alleinerziehende berufstätige Mutter sehr fordernd. Ich arbeitete bis zum letzten Tag, vertrat sogar noch alle anderen urlaubenden Kolleginnen, während ich den Umzug organisierte und meine Kinder schon keine Betreuung mehr hatten. Ich war angestrengt und versuchte, alles unter den Hut zu bekommen.

Das Wichtigste aber ließ ich aus: Unseren Kindern und ihren Freunden einen feierlichen Abschied zu gestalten. Ich organisierte ihnen keine Abschiedsparty (für unseren Sohn tat das netterweise eine Freundin, der ich so dankbar bin – ich selbst tauchte dort allerdings nur kurz auf). Ich setzte mich nicht einmal mit ihnen in Ruhe hin und fragte sie, was sie brauchen, um den Abschied zu gestalten. Ich fragte mich auch selbst nicht. Und wenn ich an all die körperlichen Stresssymptome denke, die ich in den Monaten vor dem Umzug hatte, dann weiß ich, dass ich das hätte tun sollen. Wenn ich heute an diese Zeit denke, dann werde ich nicht nur traurig, sondern auch wütend auf mich selbst. Ich habe nämlich nicht einmal den Versuch unternommen, meine Bedingungen zu verändern, um die letzte Zeit anders zu gestalten. 

Früher mochte ich meine Wut nicht, ich fand sie unfein. Sie gehörte sich nicht.

Stattdessen hatte ich den Glauben, ich sollte lieber traurig sein. Obwohl ich natürlich eigentlich wütend war. 

Heute habe ich einen konstruktiven Weg gefunden, mit dieser und anderer Wut umzugehen. Vielleicht hilft er dir auch?

Erkenne den Wert von Wut

Wut ist ein Treibstoff. Wenn du wütend bist, dann hast du erkannt, dass dich etwas stört. Im Gegensatz zur eher passiven Trauer bringt dich Wut zum Handeln, sie ist eine Handlungsaufforderung. Du möchtest etwas verändern und die Wut zeigt dir den Weg. Sie hilft dir, deinen Purpose zu finden und zeigt dir wie ein loyaler Freund Grenzen auf. Sie gibt dir Orientierung, wohin du gehen möchtest und was du hinter dir lassen möchtest. 

Atme erst einmal tief durch

Kennst du die sogenannte Boxatmung? Sie hilft dir bei allen starken Emotionen, schnell ruhiger zu werden und dich auf deine Ziele zu fokussieren. Sie geht so: Atme auf vier ein, halte den Atem auf vier, atme auf vier aus, halte das auf vier. 

Was sagt dir die Wut?

Schau dann: Was sagt dir die Wut? Mir sagt die Wut von damals: Nimm dir genug Zeit für Abschiede. Gestalte Prozesse rund, schließe sie ab. Du selbst brauchst das, deine Kundinnen brauchen das, deine Familie braucht das. Vergiss das nicht.

 Verzeih dir selbst

Wenn du doch mal um dich schlägst, einen Teller gegen die Wand wirfst, laut oder bissig wirst oder dich auf leise Art selbst sabotierst: Vergib dir. Und schau dir dann noch einmal die ersten drei Tipps an.

Du fragst dich vielleicht: Was hat Wut mit dem Verhandeln zu tun?

Wenn ich mir genau angeschaut hätte, warum es mir in dieser Zeit nicht gut ging, hätte ich mit meinem Arbeitgeber verhandelt. Ich hätte mich auf meine Bedürfnisse fokussiert. Ich hätte Grenzen gesetzt und mich stark vertreten. Heute weiß ich: Ich hätte alles bekommen können, was ich brauche. Das kannst du auch.

 

Was macht dich wütend?

Und wofür setzt du diesen Treibstoff ein?

 

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